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ArXiv e-prints, (May 2009)
www.maikonline.com
Neue Theorie über größtes Massensterben der Erdgeschichte
Das größte Massensterben der Erdgeschichte könnte durch riesige Salzseen ausgelöst
worden sein, deren Emissionen an Halogenkohlenwasserstoffen schwere Schädigungen der
Vegetation und die Zerstörung der Ozonschicht verursachten. Die Folge war ein Verlust der
Lebensgrundlagen vieler Arten und könnte Auslöser für das größte Massensterben der
Erdgeschichte gewesen sein. Das schreibt ein internationales Wissenschaftlerteam in der
aktuellen Ausgabe des russischen Fachjournals "Doklady Akademii Nauk" (Proceedings of
the Russian Academy of Sciences).
Das größte Massensterben der Erdgeschichte könnte durch riesige Salzseen ausgelöst
worden sein, deren Emissionen an Halogenkohlenwasserstoffen schwere Schädigungen der
Vegetation und die Zerstörung der Ozonschicht verursachten. Die Folge war ein Verlust der
Lebensgrundlagen vieler Arten und könnte Auslöser für das größte Massensterben der
Erdgeschichte gewesen sein. Das schreibt ein internationales Wissenschaftlerteam in der
aktuellen Ausgabe des russischen Fachjournals "Doklady Akademii Nauk" (Proceedings of
the Russian Academy of Sciences). An der Grenze vom Perm- zum Triaszeitalter vor 250
Millionen Jahren starben etwa 90 Prozent aller damaligen Tier- und Pflanzenarten aus.
Bisher wurden als Ursache dafür Vulkanausbrüche, Meteoriteneinschläge oder
Methanhydrate vermutet. Die neue Theorie fußt auf einem Vergleich von biochemischen und
atmosphärenchemischen Prozessen damals und heutzutage. "Unsere Berechnungen zeigen,
dass die Luftschadstoffe aus großen Salzseen wie dem Zechsteinmeer katastrophale
Auswirkungen gehabt haben müssen", so Mitautor Dr. Ludwig Weißflog vom Helmholtz-
Zentrum für Umweltforschung (UFZ). Prognosen sagen eine zunehmende Ausbreitung von
Wüsten und Salzseen im Zuge des Klimawandels voraus. Deshalb rechnen die Forscher
damit, dass die Auswirkungen dieser Halogenkohlenwasserstoffe ebenfalls zunehmen
werden.
Das Team von Wissenschaftlern aus Russland, Österreich, Südafrika und Deutschland
prüfte, ob ein schon seit Urzeiten auf der Erde ablaufender Prozess zum globalen
Massensterben der Arten, speziell am Ende des Permzeitalters, hatte beitragen können.
Ausgangspunkt dieser Überlegungen war ihre Entdeckung in Südrussland und Südafrika,
dass Mikroben in heutigen Salzseen auf natürliche Weise Halogenkohlenwasserstoffe wie
Chloroform, Trichlorethan, Trichlorethen und Tetrachlorethen produzieren und in die
Atmosphäre emittieren. Sie übertrugen nun diese Erkenntnisse auf das Zechsteinmeer, das
sich im Perm-Erdzeitalter vor etwa 250 Millionen Jahren auf dem Gebiet des heutigen
Europas gebildet hatte. Das Zechsteinmeer war mit rund 600.000 Quadratkilometern fast so
groß wie das heutige Frankreich. Das stark salzhaltige Flachwassermeer war damals
heißem Wüstenklima und intensiver Sonneneinstrahlung ausgesetzt - wie die heutigen
Salzseen auch. "Wir nehmen daher an, dass die klimatischen, geochemischen und
mikrobiologischen Bedingungen im Bereich des Zechsteinmeeres mit den von uns
untersuchten Salzseen der Jetztzeit vergleichbar sind", erklärt Dr. Ludwig Weißflog.
In ihrer aktuellen Veröffentlichung erläutern die Autoren Gemeinsamkeiten zwischen
komplexen Prozessen des CO2-Kreislaufes im Perm-Zeitalter sowie der damaligen und
jetzigen Klimaerwärmung. Auf der Basis vergleichender Kalkulationen von
Halogenkohlenwasserstoff-Emissionen aus heutigen südrussischen Salzseen in die
Atmosphäre berechneten die Wissenschaftler, dass allein für das Zechsteinmeer mit einer
jährlichen Emissionsrate von mindestens 1.3 Millionen Tonnen Trichlorethen, 1.3 Millionen
Tonnen Tetrachlorethen, 1.1 Millionen Tonnen Chloroform sowie 0.050 Millionen Tonnen
Trichlorethan in die Atmosphäre auszugehen ist. Vergleichsweise beträgt die jährliche
globale industrielle Produktionsmenge von Trichlorethen und Tetrachlorethen jeweils nur
etwa 20 Prozent, von Chloroform sogar nur etwa 5 Prozent der von den Wissenschaftler für
das Zechsteinmeer errechneten Emissionen. Die industrielle Produktion des
Methylchloroform, welches die stratosphärische Ozonschicht besonders schädigt, ist seit
1987 durch das Abkommen von Montreal verboten.
"Anhand von Steppenpflanzen konnte wir in der Vergangenheit nachweisen, dass
Halogenkohlenwasserstoffe zur beschleunigten Ausbreitung von Wüsten beitragen",
berichtet Dr. Karsten Kotte. "Die Kombination aus Trockenstress und dem gleichzeitig
wirkenden chemischen Stressor 'Halogenkohlenwasserstoff' schädigt die Pflanze
überproportional, was zu verstärkten Erosionsprozessen führt."
Aus beiden Erkenntnissen bildeten die Forscher ihre neue These. Danach waren am Ende
des Perms die aus dem Zechstein-Meer und anderen Salzseen emittierten Mengen an
Halogenkohlenwasserstoffen in einer komplizierten Wirkungskette für das weltweit größte
bisher bekannten Massensterben verantwortlich, bei welchem ca. 90 Prozent der an Land
lebenden Tier- und Pflanzenarten ausstarben.
Laut Prognose des Weltklimarates IPCC wird der derzeitige Klimawandel durch ansteigende
Temperaturen und Trockenheiten auch zu einer Beschleunigung der Wüstenausbreitung
führen. Salzseen, Salzlagunen und salzhaltige Marschen werden in Anzahl und Fläche
zunehmen, was wiederum zum Anstieg natürlich gebildeter Halogenkohlenwasserstoffe
führen wird. Die phytotoxischen Effekte dieser Substanzen werden sich in Verbindung mit
weiteren atmosphärischen Schadstoffen und gleichzeitig zunehmender Trockenheit
gegenseitig verstärken und so die ökotoxikologischen Folgen des Klimawandels potenzieren.
Die neue Theorie könnte ein Puzzlestück sein, das dazu beiträgt, das Rätsel um das größte
Massensterben der Erdgeschichte zu lösen. "Ob die Halogenkohlenwasserstoffe aus den
Salzseen dafür allein verantwortlich sind oder ob es eine Kombination verschiedener
Faktoren war und Vulkanausbrüche, Meteoriteneinschläge oder Methanhydrate ebenfalls
eine Rolle spielten, bleibt offen", so Ludwig Weißflog. Fest steht aber, dass die
Auswirkungen von Salzseen bisher unterschätzt wurden. Mit ihrer Veröffentlichung wollen die
Forscher um Dr. Ludwig Weißflog vom UFZ und Dr. Karsten Kotte von der Universität
Heidelberg darauf hinweisen, dass heutige Salzseen und Salzwüsten in Südost-Europa,
Mittelasien, Australien, Afrika, Amerika nicht nur das regionale sondern auch das globale
Klima beeinflussen können. Die neuen Erkenntnisse zur Wirkung dieser
Halogenkohlenwasserstoffe sind wichtig für die Überarbeitung der Klimamodelle, die die
Basis für die Klimaprognosen bilden.
L. Weissflog, N.F. Elanskii, K. Kotte, F. Keppler, A. Pfennigsdorff, K. Lange E. Putz, L.V.
Lisitzina (2009): O wosmojnoi roli galogensoderjaschtschaich gasow w ismenenii sostojanija
atmosferi i prirodnoi sredi w posdnii permskii period. Dokladi Akademii Nauk, 424:1-6 (in
Russian). http://www.maikonline.com/maik/showArticle.do?auid=VAFR1OI7XN
ufz
Biodiversity 2 (3), 2-13 (2001)
news.bbc.co.uk
Rises in CO2 emissions sparks concerns over rising acidity levels in world's oceans, threatening sea life.
www.ncbi.nlm.nih.gov
www.ncbi.nlm.nih.gov
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